Faust
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Venedig 2011: Der Goldene Löwe der Filmfestspiele geht an FAUST von Alexander Sokurow. In seiner Laudatio sagt Darren Aronofsky, Präsident der Jury: "Es gibt Filme, die dich zum Träumen, zum Weinen, Lachen und Nachdenken bringen, und es gibt Filme, die dein Leben für immer verändern. Dies ist einer dieser Filme".
Sokurows FAUST ist nicht nur die Verfilmung von Johann Wolfgang von Goethes Klassiker, sondern auch eine radikale Neuinterpretation des Mythos. In deutscher Sprache mit deutschen, österreichischen und russischen Schauspielern, u.a. Johannes Zeiler (Wiener Schauspielhaus) als Faust, Isolda Dychauk ("Borgia") als Gretchen, Anton Adassinsky (Derevo-Theater) als Pfandleiher/Mephisto und Hanna Schygulla gedreht, schuf Russlands Regiestar Alexander Sokurow einen magischen und zugleich verstörenden Film. Einen "Faust", wie man ihn kennt, aber doch noch nie mit solcher Wucht auf der Leinwand gesehen hat.
Von Beginn des Projektes an plante Alexander Sokurow eine vollständige Nachbearbeitung des Originaltons von FAUST. Der Film sollte in deutscher Sprache gedreht werden, mit deutschsprachigen und russischen Darstellern, dies war Sokurows Anliegen. Er wollte eine Adaption des bedeutendsten Werkes der deutschen Literatur in der Sprache des Originals. Für Sokurow eine Hommage an die deutsche Sprache.
Da Sokurow kein Deutsch spricht, suchte er nach einem deutschen Sprachatelier und einem deutschen Dialog- und Synchronregisseur. Seine Wahl fiel schließlich auf die Berliner Synchron AG und Stephan Hoffmann, der insgesamt rund 10 Wochen an dem Projekt zusammen mit Alexander Sokurow arbeitete. Umfangreichen Vorgesprächen und dem Arbeiten am Text in St. Petersburg folgten drei Wochen Sprachaufnahmen in Berlin.
Für Hoffmann eine faszinierende Herausforderung: „Für mich war dieses Projekt in jeder Hinsicht einzigartig: Gemeinsam mit einem weltberühmten Regisseur sozusagen einen ‚Stummfilm zum Leben zu erwecken‘ und die Originalschauspieler bei den Sprachaufnahmen wieder zu den Leistungen zu führen, die dann Sprache und Körper zu einem homogen Ganzen werden lassen, das stellt auch an die Synchron- und Dialogregie hohe Anforderungen.“
Die Tonbearbeitung des Films war zu großen Teilen keine übliche Synchronisation, bei der der Originalton adäquat ins Deutsche übertragen wird. Allein durch die in der Nachbearbeitung geänderte Schnittabfolge, die Sprache der russischen Darsteller und die teilweise schwer verständlichen Set-Tones musste FAUST komplett nachbearbeitet werden. Fast alle Originalschauspieler konnten sich selbst nachvertonen, nur bei den Rollen des Wucherers und Fausts Vater wurde auf die Arbeit erfahrener Synchronsprecher (Santiago Ziesmer/ Wucherer, Jürgen Kluckert/ Fausts Vater) zurückgegriffen.
Den Sprachaufnahmen folgten mehrwöchige Mischungsarbeiten in den Lenfilm-Studios in St. Petersburg.
(Quelle: Pressemitteilung Berliner Synchron AG, 21.9.2011, sowie Stephan Hoffmann)
Dabei entstand der Film ganz ohne Filmförderung mit einem Budget von rund 10 Mio. Euro. Gedreht in Tschechien, Island und Russland ist er einer der aufwendigsten Filme in Russlands Filmgeschichte. Für die Kameraarbeit zeichnet Bruno Delbonnel ("Die fabelhafte Welt der Amélie") verantwortlich. Ein Film wie ein Trip, mit Sicherheit eines der außergewöhnlichsten Filmwerke des Jahres.





