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Die Schlacht um Algier

africAvenir
ALG/ IT 1966
121 Min, ab 16
Regie: Gillo Pontecorvo
Darsteller: Brahim Hadjadj, Jean Martin, Yacef Saadi, Samia Kerbash, Ugo Paletti, Fusia El Kader, Antonio Musu
Vorstellungen
(Zum Reservieren Termin anklicken.)

Im Rahmen vonn "50 Jahre afrikanische Un-Abhängigkeiten - eine (selbst)kritische Bilanz" präsentiert AfricAvenir am Freitag, 3.9. um 20 Uhr Pontecorvo' s Klassiker DIE SCHLACHT UM ALGIER im französischen Original mit englischen Untertitel. Zu Gast ist der algerische Historiker Prof. Daho Djerbal von der Universität von Alger-Bouzaréah.

 

La battaglia di Algeri (frz.Omengl.U.)

 

Synopsis:


Es ist 1957, ein Schlüsseljahr im Unabhängigkeitskampf Algeriens. Im Zentrum stehen zwei Hauptpersonen: Ali La Pointe (Brahim Haggiag), Mitglied der FLN (Nationalen Befreiungsfront) und Aushängeschild der algerischen Résistance, und der französische Fallschirmspringerkommandant Colonel Mathieu (Jean Martin), der Befehl hat, den Widerstand um jeden Preis zu brechen. 

Gillo Pontecorvos Spielfilm Die Schlacht um Algier über den antikolonialen Krieg in Algerien gilt als einer der einflussreichsten Filme in der Geschichte des politischen Kinos, und als eines der beeindruckendsten Werke, die jemals über den Kolonialismus und den antikolonialen Widerstand gedreht wurden.

 

Mitte der 1960er an Originalschauplätzen mit Kasbahbewohnern gedreht, basiert der Film auf den Mitschriften des späteren Produzenten Yacef Saadi, ein führendes Mitglied des Widerstands, aber auch auf eigenen Recherchen Pontecorvos. Die Schlacht um Algier steht eindeutig auf der Seite der Résistance, ist  aber dennoch ein weitgehend „objektives“ Werk,  dass die Handlungen beider Seiten realistisch dargestellt.



 

1966 sagte Pontecorvo zu einem Journalisten: "Ich denke, es ist sinnlos zu sagen: ‚Diese töteten zehn, jene töteten zwei’. Das Problem besteht darin, dass sie [die Algerier] sich in einer Situation befinden, wo die Unterdrückung alles dominiert.... Man muss abwägen, wer historisch schuldig und wer im Recht ist. Und das Gefühl vermitteln, dass man sich mit dem identifiziert, der im Recht ist."

 

Nach seiner Auszeichnung mit dem Goldenen Löwen 1966 beim Mostra-Festival in Venedig hatte der Film in Algerien, Italien und Amerika sofort Erfolg und wurde in den USA sogar für drei Oskars vorgeschlagen, in Frankreich und England wurde er jedoch bis 1971 verboten. Und selbst danach wurden noch Todesdrohungen an die Familien von drei Kino-Inhabern in Frankreich gesendet  und Bomben platziert. Vom massiven Einsatz der Folter in ihrem "schmutzigen Krieg" in Algerien zu sprechen oder sie gar zu zeigen, war nach wie vor eine heikle Angelegenheit bis 2004. 




 

„Genauso dringlich, intensiv, vorausahnend und weise wie am ersten Tag, als er in die Kinos kam“ – Washington Post, 2004
 

Preise u.a.:
Internationale Filmfestspiele von Venedig: Goldener Löwe und FIPRESCI-Preis (1966)
Nominiert für drei Academy Awards u.a. Bestes Drehbuch, Beste Regie und Bester fremdsprachiger Film;
Preis der Internationalen Kritik (1966);

Italian Golden Asphodel (1966);
Von der kubanischen Kritik als „Bester Film des Jahres 1967" gewählt (1967);
UN-Award der British Academy of Film and Television Arts (1972).
 
Diskutant:


Prof. Djerbal ist Professor für Moderne Geschichte an der Fakultät für Geistes- und Sozialwissenschaften der Universität von Algier-Bouzareah (Algerien). Er lehrt zu einer Vielzahl von Themen mit Schwerpunkt auf koloniale und postkoloniale Gesellschaften (Algerien, Nord Afrika und Afrika als Kontinent). Prof. Djerbal hat auch in den Bereichen Internationale Beziehungen und Ideengeschichte der Westlichen Moderne gelehrt. Nach mehr als 10 Jahren Forschung im Bereich "Wirtschaftliche und Soziale Geschichte des Modernen Algeriens", konzentriert er sich zurzeit auf die Beziehung zwischen Geschichte und Erinnerung. Als Chefredakteur von Naqd, Zeitschrift für soziale Kritik (Naqd, Revue d’études et de critique sociale, www.revue-naqd.org), widmet er sich seit Anfang der 1990er Jahre außerdem der Veröffentlichung von Studien zu postkolonialen Gesellschaften und unabhängig gewordenen Staaten.
 
Regisseur:


1919 in Pisa geboren, war Gillo Pontecorvo Mitglied der antifaschistischen Resistenza, trat der italienischen Kommunistischen Partei (PCI) bei und diente die letzten zwei Kriegsjahre als Kommandant ihrer dritten Brigade in Mailand.

Er verließ die PCI 1956 nach der sowjetischen Niederschlagung des Ungarn-Aufstands. Pontecorvo war vom neorealistischen Kino und dem russischen Regisseur Sergej Eisenstein beeindruckt, und nachdem er eine Vorführung von Roberto Rossellinis Paisa gesehen hatte, entschloss er sich, Filmemacher zu werden.

 

Von 1946 bis 1956 produzierte er eine Reihe von Dokumentarfilmen, wie zum Beispiel Pane e zolfo (Brot und Schwefel, 1959), ein Film über sizilianische Bergarbeiter, und drehte mit La grande strada azzurra (Die große blaue Straße, 1957) seinen ersten Spielfilm.

Sein zweiter Spielfilm war Kapò (1960), ein Film über ein Nazi-Konzentrationslager.

1964 drehte er La battaglia di Algeri (Die Schlacht von Algerie). 

Pontecorvos Film wandte eine Technik an, die Mitte der sechziger Jahre als innovativ für den Film gelten konnte (...) Sein halb-dokumentarischer Stil in der Art von Wochenschau-Berichten mit Untertiteln, der Einsatz einer 16-Millimeter-Handkamera und die Verwendung von offiziellen Erklärungen der FLN und der französischen Armee waren pionierhaft und verliehen dem Film eine elektrisierende Wirkung.

In dem Film nimmt er das Publikum mit in die engen Gassen der heruntergekommenen Kasbah und rekonstruiert sorgfältig die polizeistaatliche und rassistische Unterdrückung, die schließlich zur Erhebung führen muss. Die Massenversammlungen mit Hunderten Menschen gegen Ende des Films sind ganz erstaunlich und haben eine Intensität und Suggestionskraft, die von Computer-erzeugten Bildern niemals erreicht werden können.

 

Der dramatische Realismus des Films war in der Tat so überzeugend, dass die Produzenten sich bemüßigt fühlten, im Vorspann darauf hinzuweisen, dass bei der Produktion keine echten Nachrichtensendungen verwendet wurden.

 Die Schlacht um Algier wurde, und das ist bemerkenswert, mit einem Budget von 800.000 Dollar hergestellt, mit Hilfe von nur neun Technikern, darunter dem Kameramann Marcello Gatti. Jean Martin (Colonel Mathieu), der in den fünfziger Jahren bei französischen Regisseuren auf der schwarzen Liste stand, weil er den algerischen Widerstand unterstützte, war der einzige professionelle Schauspieler. Der Rest der Filmcrew war in Algier rekrutiert worden.



Haggiag (La Pointe) war Analphabet und niemals zuvor im Kino gewesen, als er als Hauptdarsteller für diesen Film ausgewählt wurde. Jener Mann mittleren Alters, der im Film gefoltert wird und infolgedessen La Pointe verrät, wurde vorübergehend aus einem Gefängnis in Algier entlassen, um seine Rolle zu spielen.

Yacef Saadi, der Dhile Djafar und La Pointes ersten Kontaktmann zur FLN-Führung spielt, war ein führendes Mitglied des Widerstands und lieferte die Geschichte, auf die sich das Drehbuch stützte.

Nach Schlacht um Algier drehte Pontecorvo Burn! (1969) mit Marlon Brando in der Hauptrolle, worin es um den britischen und portugiesischen Kolonialismus im 18. Jahrhundert in Westindien geht, und Ogro (1979) über die baskische separatistische Bewegung. Aber keiner von ihnen kam an die Intensität von Schlacht um Algier heran, der seinerseits Regisseure wie Costa Gavras, Marcel Ophüls und viele andere beeinflusste. (Auzüge aus wsws.org)