Über uns
Informationen zum Digitalen Kino
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Liebe Gäste, jetzt ist es soweit – seit 15. Dezember 2012 gibt es in unserem Kino nur noch einen 35mm-Filmprojektor und selbst der kommt nicht mehr in allen Vorstellungen zum Einsatz.
Was bedeutet Digitalisierung im Kino? Eine gleich bleibende Qualität in der Vorführung, auch noch nach Wochen, es gibt keine Laufstreifen mehr, keine Abnutzungserscheinungen, das Zeitalter der endlosen Reproduzierbarkeit ist auch im Kino angekommen. Technisch bedeutet Digitalisierung der Verzicht auf physisches Trägermaterial vom Dreh über die Postproduktion bis hin zum Abspiel im Kino und der Archivierung. Das 35mm-Filmmaterial war ein weltweiter Standard über die Jahrzehnte, selbst über die Konkurrenz der politischen Systeme und den Kalten Krieg hinweg. Das wird so zukünftig nicht erhalten bleiben. Aber es wird auch für das digitale Kino Normen und Standards geben. Für die nächsten Jahre hat sich, unter dem Diktat der sieben führenden Hollywood-Studios, auch in Europa eine Norm durchgesetzt. Das wäre nicht unbedingt notwendig gewesen, denn die technische Entwicklung steht auch für Technikneutralität aber die Marktinteressen der US-Konzerne[1] waren zu stark und die europäische Film-Industrie hat sich, ohne Not, gefügt. So werden wir die nächsten Jahre mit der sog. DCI-Spezifikation arbeiten (Digital Cinema Initiative).
Diese schreibt vor: die Qualität der verwendeten
[1] Im März 2002 schlossen sich folgende Unternehmen in der DCI zusammen: Walt Disney/Buena Vista Group, 20th Century Fox, Metro-Goldwyn-Mayer, Paramount Pictures, Sony Pictures Entertainment, Universal Studios und Warner Bros. Pictures.
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Projektoren, Datenraten und Auflösungen, Vorschriften für Untertitelung, Tonformate, Farbräume und vor allem Kopierschutzverfahren und Auslieferungsmethoden. Die Auflösung der Bilder bei einem Seitenverhältnis von 1:2,39 (Cinemascope) wird mit 2048 Pixeln in der Breite und 1080 Pixeln in der Höhe erfolgen. Dafür verwendet man auch den Begriff 2K. Ausgeliefert werden die Filme an uns auf Festplatten die ein dcp (digital cinema package) in Form von JPEG2000-Dateien enthalten. Das ist ein Bildformat mit Datenkompression. Im Gegensatz zu anderen Kompressionsverfahren, die Sie aus dem Alltag kennen, z.B. mp3 ist JPEG2000 eine weitgehend verlustfreie Kompression, d.h. Ihnen gehen keine der ursprünglichen Bildinformationen verloren.
Die Dateien, in der Regel pro Film von normaler Länge, haben eine Größe von ca. 60 GB und werden von den Festplatten auf die Server der Kinos geladen. Wir nennen das „ingesting“. Jeder Projektor besteht im Kern aus der sog. light-engine, also dem Herzstück mit dem Prozessor, einer Lichtquelle, die zunächst auch noch ein Xenonkolben ist, bei künftigen Projektoren aber durch energiesparendere Leuchtmittel ersetzt wird. Zuletzt das Objektiv. Der Film selbst wird vom Abspielserver, der zwingend zu jedem Projektor gehört, zur Verfügung gestellt. Perspektivisch wird es in Kinos mit mehreren Leinwänden sog. Theater Managment Systeme geben, damit verbunden auch Zentral-Server mit großem Speicherplatz. Die light-engine und eine Reihe anderer technischer Komponenten sind mit einem Kopierschutz versehen und zumeist benötigen wir zum Abspiel des Films auch einen Schlüssel, den sog. kdm (key delivery message). Bei Manipulationen schaltet die Maschine ab, bei eindeutigen Kopierversuchen wird u.U. der content auf dem Server automatisch gelöscht. |
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Die Angst der Filmindustrie vor Raubkopien in perfekt reproduzierbarer Qualität hat den DCI-Standard maßgeblich beeinflusst und die Technik erheblich teurer gemacht als dies ohne Kopierschutz notwendig gewesen wäre. Neben dem Abspiel von Kinofilmen die uns in der Regel die Verleihunternehmen zur Verfügung stellen, gibt es mit der neuen Technik auch die Möglichkeit zum Abspiel von sog. alternativem Content. Angefangen von bluray, HD-Material bis hin zu Livestreams die via Satellit eingespielt werden. Aber da die technische Entwicklung stets weiter geht, ist der gegenwärtige 2K-Standard mit dem nahezu alle digitalisierten Kinos in Deutschland arbeiten, bereits überholt. 4K-Projektoren sind schon auf dem Markt und haben beim Cinemascope-Format eine Auflösung von 4096 x 1716 Pixeln – was nicht etwa eine Verdopplung sondern fast eine Vervierfachung der Bildauflösung gegenüber 2K bedeutet. Wir haben vier solche Projektoren der Marke SONY angeschafft um auch in den nächsten Jahren die höchste Projektionsqualität anbieten zu können. Demnächst[2] werden wir auch erste Filme zeigen die in 4K produziert sind – Sie werden den Unterschied sehen! In weiteren Schritten werden wir noch einen fünften Projektor anschaffen, ein Theatermanagement-System installieren, die Bildwände erneuern und ggf. einen Saal mit einer 3D-Einheit ausstatten. Diese Investitionen sind enorm teuer. Pro Saal fallen für Projektor, Server und notwendiges Zubehör, zzgl. Einbau und einfache technische Anpassungen ca. 55.000 € an. Zusammen mit den sonstigen notwendigen und sinnvollen Erweiterungen kostet uns die Digitalisierung also mehr als
[2] In 4K werden wir den neuen QuentinTarantino, Django Unchained ab dem 17. Januar 2013 zeigen.
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300.000 €. Aufgrund unseres anspruchsvollen Programms, und unserer Unabhängigkeit erfüllen wir Kriterien um in den Genuss künstlerischer Förderung durch den Beauftragten der Bundesregierung für die Belange von Kultur und Medien (BKM) sowie der Länderförderung des Medienboard Berlin Brandenburg zu kommen. Darüber hinaus erhalten wir Zuschüsse der Filmförderanstalt (FFA) aus den Beiträgen der gesetzlichen Filmabgabe, die auch wir zahlen müssen. Dennoch müssen wir einen großen Teil der Investition selbst aufbringen.
Viele von Ihnen haben es vermutlich gar nicht gemerkt, dass unsere Kolleginnen und Kollegen aus der Technik keine schweren Filmrollen mehr durch das Foyer tragen, andere finden es längst überfällig und wundern sich, dass wir noch so lange „analog“ gearbeitet haben. Wir wollen nicht nostalgisch werden und freuen und über die Vorzüge neuer Technik. Wie immer werden solche Umwälzungen aber auch genutzt um Marktbereinigungen durchzuführen. Einige, zum Teil sehr engangierte, Kinobetreiber bangen um ihre Zukunft weil sie die Investitionen nicht stemmen können oder keine Zwischenfinanzierung. Dank einzelner Engagements aus Politik und Wirtschaft gibt es die o.g. Förderinstrumente, aber dennoch steht zu befürchten, dass einige Kinos vom Markt verschwinden werden. Das können auch Sie verhindern helfen indem Sie weiter rege ins Kino gehen.
Viel Spass dabei und fragen Sie uns, wenn Sie mehr zum Thema wissen wollen. Außerhalb der Spitzenzeiten zeigen unsere MitarbeiterInnen Ihnen auch gerne mal die Technik.
Berlin, im Januar 2013 – Gerhard Groß und das Team vom Hackesche Höfe Kino, Berlin |




